Ohne Ausgangssperre: So kommt Südkorea mit dem Coronavirus klar

In Deutschland steigt die Zahl der Coronavirus-Infizierten. In Südkorea ist das Gegenteil der Fall: was dahinter steckt.

Artikel von: Tobias Utz – Veröffentlicht von: inFranken.de – gefunden am 21.03.2020

Das neue Epizentrum des Coronavirus ist Europa. „Covid-19“ breitet sich längst nicht mehr am stärksten im asiatischen Raum aus. Hotspot in Mitteleuropa ist Italien. Dort wurden zuletzt mehr Tote durch das Coronavirus gemeldet als in China. Laut Angaben des „Robert-Koch-Institutes (RKI)“ sind in Deutschland mittlerweile fast 14.000 Menschen damit infiziert (Stand: 20. März 2020, 12 Uhr).

Hierzulande steht eine Ausgangssperre im Raum, wie sie bereits in Nachbarstaaten verhängt wurde. Für Bayern verkündete Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits weitreichende Ausgangsbeschränkungen. Eine komplette Ausgangssperre für Deutschland gilt jedoch als „Ultima Ratio“. Ein Beispiel, wie das Virus ohne Ausgangssperre und Reiseeinschränkungen bekämpft werden kann, ist Südkorea. Zwar schwanken die Zahlen der Betroffenen – allerdings zeigt sich seit Wochen eine positive Entwicklung. Bisher wurden dort insgesamt 8800 Infektionen gemeldet, wie das „Center for Disease Control and Prevention (KCDC)” vermeldet. „Südkorea ist eine demokratische Republik. Wir glauben, Abriegelungen sind keine vernünftige Wahl“, erklärt Kimm Woo-Joo, Infektiologe an der „Korea University“, dem Fachmagazin Science.

Coronavirus in Südkorea: „Covid-19“-Eindämmung ohne Ausgangssperre

Dass Südkorea das Coronavirus in den Griff zu bekommen scheint, liegt insbesondere an einer Tatsache: Das Land führt „das weltweit ausgedehnteste und bestorganisierteste Testprogramm durch, verbunden mit starken Anstrengungen, infizierte Personen zu isolieren, ihre Kontakte aufzuspüren und unter Quarantäne zu stellen“, heißt es darin.

Als „schnell, transparent und präventiv“ beschreibt das südkoreanische Außenministerium die Strategie gegen das Coronavirus. Hintergrund dessen ist, dass in Südkorea grundsätzlich jeder auf „Covid-19“ getestet wird, der engen Kontakt zu einem Infizierten hatte. Im Gegensatz dazu werden in vielen europäischen Ländern nur Personen auf das Coronavirus getestet, die verdächtige Symptome aufweisen. Daten des „RKI“ zeigen, dass die Testrate in Deutschland ausbaufähig ist. 160.000 Corona-Tests werden jede Woche veranlasst und durchgeführt, wie Lothar Wieler, Chef des Institutes, bekanntgab. Dies trifft 1,9 pro 1000 Einwohner.

Zum Vergleich: In Südkorea sind das 5,6 je 1000 Einwohner. Um diese Zahlen einzuordnen ist natürlich von Bedeutung, dass Südkorea mit rund 51 Millionen weniger Einwohner als Deutschland beheimatet. Im internationalen Vergleich steht Deutschland dennoch nicht schlecht da. Beispielsweise werden in den USA lediglich 30.000 insgesamt durchgeführt.

Neben den massenhaften Testmaßnahmen setzt Südkorea auf zwei weitere Aspekte, um das Coronavirus einzudämmen. Einerseits sind die Tests kostenlos. Es gibt zahlreiche Kontrollpunkte, in Form von Testzelten, in denen unkompliziert getestet wird. Andererseits verschicken die Behörden auf Bezirksebene personalisierte Newsletter, die über die Lage vor Ort aufklären. Dem sind Informationen über Infizierte und dessen Bewegungsradius in der Nähe zu entnehmen. Ebenfalls enthalten sind Details wie das Alter oder das Geschlecht von Betroffenen in der Umgebung. So kann das Infektionsrisiko minimiert werden.

Die Regierung hat in einer Kampagne zu „Social Distancing“ aufgerufen. Was das ist und wie es funktioniert, erklärt inFranken.de hier. Nachdem Südkorea noch vor Wochen auf Platz Zwei im internationalen Infizierten-Vergleich lag, liegt das Land mittlerweile auf Platz Sechs. Die Entwicklung der nächsten Wochen bleibt abzuwarten.

https://www.infranken.de/ueberregional/ausland/ohne-ausgangssperre-so-bekommt-suedkorea-das-coronavirus-in-den-griff;art14269,4981370

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