Das verweigerte Inserat

Die FAZ lehnte es ab, weil der Inserent die Regierungen von Bund und Ländern auffordert, alle Corona-Beschränkungen sofort aufzuheben – Ihre Begründung: Schwerwiegende Zweifel an der wissenschaftlichen Position der Unterzeichner – Kein Vorbild für den freien Meinungsaustausch – Ein treffendes Sinnbild: die Schutzmaske als Maulkorb

Veröffentlicht: 10.06.2020, 22:10
von Dr. Klaus Peter Krausehttp://www.freiewelt.net

Zeitungen müssen Annoncen nicht abdrucken. Keine Zeitung ist verpflichtet, Inserate zu veröffentlichen, die sie in ihrem Blatt nicht haben will. Doch angebotene Anzeigen abzulehnen, ist nicht gerade üblich. Es ist auch nicht tunlich. Denn Erlöse aus dem Anzeigengeschäft sind für die Zeitungshäuser notwendig, um die Zeitung mitzufinanzeren. Es hat Zeiten gegeben, in denen ihnen der Erlös aus dem Anzeigenverkauf zwei Drittel des Umsatzes einbrachte und der Vertriebserlös, also der Verkauf der Zeitung an Abonnenten und Einzelkäufer, nur ein Drittel. Aber diese schönen Zeiten sind mit dem Siegeslauf des Internet längst vorbei und die Anzeigenerlöse dahingeschmolzen. Folglich müssen die Zeitungshäuser dankbar sein, wenn sich heute ein Inserent noch ihrer bedient. Ihn abzulehnen, sollten sie sich also lieber nicht leisten. Die FAZ eigentlich auch nicht. Dumm nur, wenn ein Anzeigenkunde bei ihr ein großes Inserat veröffentlichen will, dass ihr inhaltlich nicht behagt.

Kein Vorbild für den freien Meinungsaustausch

Dieser Kunde ist ein Verein, der sich Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e. V. (MWGFD) nennt. Sein Anzeigentext ist an die Bundesregierung und alle Landesregierungen gerichtet und fordert sie dazu auf, alle Beschränkungen, die im Zusammenhang mit dem Corona-Virus erlassen worden sind, „sofort und vollständig aufzuheben“ und die Bevölkerung vor noch mehr Folgeschaden zu bewahren. Das freilich widerspricht der Meinung der FAZ-Redaktion, die alle staatlichen Anordnungen in Sachen Corona-Virus zustimmend begleitet – ebenso wie die anderen Mainstream-Medien. Aber die Redaktion ist die Redaktion, sie ist nicht der Verlag, sie ist nicht die FAZ GmbH. Die Redaktion ist für den Inhalt der Zeitung zuständig, der Verlag dafür, dass die Zeitung geschäftlich über die Runden kommt. Folglich muss der Inhalt eines Inserats die Anzeigenabteilung des Verlages nicht scheren, es sei denn, er ist rechtswidrig. Trotzdem hat sie das Inserat – willfährig gegenüber der Redaktion – abgelehnt. Sie darf das. Aber für den freien Meinungsaustausch ist das alles andere als ein Vorbild. Dem Leser soll also sogar per (bezahltem) Inserat eine Gegenmeinung vorenthalten werden.

FAZ-Begründung: Schwerwiegende Zweifel an der wissenschaftlichen Position der Unterzeichner

Der Verein MWGFD teilt auf seiner Web-Seite (www.mwgfd.de) mit, die Anzeige habe in der Ausgabe vom 5. Juni (Freitag) erscheinen sollen. Es sei auch schon alles mit dem zuständigen Mitarbeiter der Zeitung besprochen gewesen, auch der „nicht gerade geringe“ Preis hierfür schon fest vereinbart. Aber „in letzter Minute“ hätten die Entscheider im FAZ-Verlag die Veröffentlichung abgelehnt. Ihre Ablehnung hat die FAZ mit diesen Worten begründet: „Wir behalten uns vor, Anzeigen, bei denen wir schwerwiegende Bedenken hinsichtlich der dargestellten Inhalte oder der getroffenen Aussagen haben nicht anzunehmen. Nach unserem Erkenntnisstand bestehen an den von Ihnen vertretenen wissenschaftlichen Positionen, auf die Sie sich in der Anzeige beziehen, schwerwiegende Zweifel. So haben wir uns nach eingehender Prüfung entschieden, von der Ihrerseits geplanten Veröffentlichung in der F.A.Z. Abstand zu nehmen“. Den Text, den die FAZ nicht bringen will, finden Sie jetzt hier:

„Aufforderung an die Bundesregierung und alle Landesregierungen

Sehr geehrte Damen und Herren, wir fordern Sie hiermit auf, Ihrer Verantwortung, Schaden von der Bevölkerung abzuhalten, nachzukommen und die gegenwärtigen verhängten Maßnahmen sofort und vollständig aufzuheben. Wir gehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch davon aus, dass Sie bei der Einführung der Maßnahmen nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben, in dem guten Glauben, damit den Interessen und dem Wohl der Menschen zu dienen. Spätestens jetzt jedoch, wo reale Zahlen und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse allgemein zugänglich sind und auch Ihren Beratern nicht entgangen sein können, ist es an der Zeit, gegenüber der Bevölkerung einzugestehen, dass die zurzeit geltenden Einschränkungen weder sinnvoll, verhältnismäßig oder medizinisch begründbar sind. Sie sind nicht zu verantworten. Sollten Sie gegen alle Fakten und Vernunft auf einer Weiterführung der sinnlosen Maßnahmen bestehen, müssen wir davon ausgehen, dass es Ihnen dabei nicht um das Wohl des Volkes geht. In diesem Fall fordern wir einen Corona-Untersuchungsausschuss, dem die verantwortlichen Politiker und Berater Rede und Antwort stehen müssen. Wer bewusst und ohne evidenzbasierte Grundlage den Schaden der deutschen Bevölkerung in Kauf genommen hat, muss zur Verantwortung gezogen werden.“

Ein treffendes Sinnbild: die Schutzmaske als Maulkorb

Zu den neunzehn namentlich genannten Unterzeichnern gehören auch der Infektiologe Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, der Virologe Dr. Wolfgang Wodarg und der Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Homburg sowie „über 16 000 namentlich bekannte Unterstützer aus dem ganzen Bundesgebiet“. Wie die ganze Anzeige in der FAZ hätte erscheinen sollen, finden Sie hier. Kritiker der staatlichen Eingriffe in die individuelle Freiheit und überzogener Beschränkungen sehen die verordnete Schutzmaske als Maulkorb. Die Anzeigenverweigerung durch die FAZ ist dafür ein treffendes Sinnbild.

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