Ein leiser Spaziergang – Autorin: Nicole Gerschau, 28.11.2021

Auf einem Spaziergang trafen ein Freund und ich auf seine Nachbarin.
Nach einigen Belanglosigkeiten über dies und das erwähnte mein Freund beiläufig, er wäre ungeimpft. Kein unverfängliches Gesprächsthema zur Zeit. Die Reaktion der Nachbarin erfolgte prompt.
Im Stakkato, ohne Punkt und Komma und mit viel Enthusiasmus, wiederholt diese Frau die Propaganda aus den öffentlich rechtlichen Medien. Sie gab uns keine Möglichkeit an irgendeiner Stelle einzuhaken. Gebetsmühlenartig erklärte sie uns die Notwendigkeit der Impfung gegen Corona.

Die Reaktion meines Freundes? Kein Widerspruch. Eher ein sich Wegducken und verschämtes Schweigen.
Und ich? Ich stehe fassungslos da und sehe zu, wie mein Kumpel von der ansonsten wohl sehr umgänglichen Dame heruntergeputzt wird. Der von ihr in 30 Sekunden gehaltene Vortrag machte mich schlicht sprachlos. Nach den ersten Schocksekunden fragte ich mich, ob es sich bei solch einem verblendeten Menschen lohnen würde, meine Meinung zu dem Thema vorzubringen. Hört dieses selbsternannte Sprachrohr der Propagandamaschinerie mir überhaupt zu, wenn ich gegen den Impfwahnsinn ruhig und vernünftig argumentiere?
Später fragte ich meinen Freund, warum er sich nicht gegen diese verbale Attacke gewehrt hatte. Seine Antwort war ernüchternd: er möchte den Frieden bewahren.

Also ist das Motto der Ungeimpften Schweigen und sich Wegducken. Des lieben Friedens Willen. Aber ist das Schweigen nicht der Grund dafür, dass Menschen Opfer von Mobbing werden? Dass sie sich gegen die Angriffe nicht wehren und stattdessen Aushalten? Ein leichtes Spiel für Peiniger.

Was mich zurück zur Ausgangssituation bringt. Mit welchem Recht werde ich da ungefragt von der Nachbarin belehrt? Mit welchem Recht wird mir vorgeworfen, ich würde Krankenhausbetten besetzten? Ich bin als ungeimpfter Mensch also schuld daran, dass es nicht genügend Krankenbetten gibt? Dass die Politik in den letzten Monaten anscheinend nichts getan hat, um für mehr Pflegepersonal zu sorgen? Um es mit dem ausgelutschten Satz von Greta Thunberg auf den Punkt zu bringen: How dare you?

Wenn man mich fragt, sind wir einfach nicht laut genug. Wird unsere Meinung überhaupt gehört?
Im Fernsehen jedenfalls nicht. Die politiktreuen Medien blenden unsere oft sehr gut durchdachten und recherchierten Standpunkte einfach aus. Sie ignorieren und diskreditieren so häufig die fachliche Meinung der Gegenseite. Dafür steht bei der neuen Art des „uninvestigativen Journalismus“ Hetze gegen Andersdenkende im Mittelpunkt und das in jedem Käseblatt.

Wie war das noch damals in den 1980er Jahren, als HIV und Aids die großen Themen waren? Man hat homosexuelle Menschen verdammt und ihnen alles mögliche und unmögliche angelastet. Heute kann man diese Minderheit sehen und hören, getreu dem Motte „Loud and Proud“. Ihre Fahnen flattern stolz an ihren Häusern und Balkonen. Sie sind stolz auf sich und lassen es alle wissen. Für sie gibt es kein Verstecken mehr in der Gesellschaft.

Mein Fazit: Es ist zu leise auf unseren Straßen. Die Füße still halten des lieben Friedens Willen ist kein Ausweg aus dieser festgefahrenen Situation. Vor einiger Zeit war so ein bevormundendes und herablassendes Verhalten wie das der Nachbarin noch als schlechter Umgangston bezeichnet worden. Und dieser schlechte Umgangston wird immer rauer. Es wird Zeit, Flagge zu zeigen.

Kommentar verfassen